Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre

Diese sehr spannende und heimatkundlich beeindruckende Wanderung führt uns über knapp sieben Kilometer im Grenzbereich zwischen den Großstädten Wuppertal und Remscheid in scheinbar unberührte Täler, zu Relikten untergegangener Industrie und an eine der ersten Talsperren Deutschlands.

Die Wanderung führt uns ins Zillertal (nicht das in Österreich), ins Gelpetal (nicht das in Gummersbach) und zur Ronsdorfer Talsperre. Schritt für Schritt begegnen uns Hinweise auf die alte Industrialisierung in diesem Gebiet. Wir passieren kleine Ortslagen mit vielen Schieferhäusern, genießen herrliche Ausblicke aus ruhiger Natur auf Großstädte und können gleichzeitig eine Menge über die Geschichte des Bergischen Landes lernen.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Landgasthof Zillertal

Am Landgasthof Zillertal beginnt der Wanderweg A2

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Ausgangspunkt dieser 6,8 km langen, vom Sauerländischen Gebirgsverein gut ausgeschilderten Tour ist der Landgasthof Zillertal. Der Hof liegt bereits im Gelpetal, das die Grenze zwischen Wuppertal und Remscheid bildet. Der Gasthof Zillertal selber liegt noch auf Wuppertaler Stadtgebiet und gehört dort zum Stadtbezirk Cronenberg. Man erreicht den Wanderparkplatz an diesem Gasthof über die Hahnerberger Straße / Hauptstraße, die vom Hahnerberg nach Cronenberg führt. Am Abzweig der Hastener Straße fährt man in Richtung Remscheid, biegt aber sofort links in die Cronenfelder Straße und folgt ihr und im weiteren Verlauf der Zillertaler Straße bis zum Gasthof Zillertal. Hier beginnt die gut mit „A2“ markierte Strecke unseres Wanderweges.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Gelpetal

Nur scheinbar unberührte Natur: Das Gelpetal

Unser Weg führt zunächst in südlicher, dem Bachlauf folgender Richtung durch das wildromantische Gelpetal. Die Gelpe rauscht, bildet teilweise kleine Nebenbäche aus, mäandriert, vereinigt sich wieder… Unberührte Natur? Das täuscht! Das Bergische Land war eine der ersten Industrieregionen Europas, lange bevor sich im Ruhrgebiet etwas getan hatte. An den vielen, unzählbaren Bachläufen wurden tausende Mühlen, Hämmer und Kotten errichtet. Wasserräder trieben Getreidemühlen, Ölmühlen, Papiermühlen, Knochenmühlen, Pulvermühlen und – gerade hier im Bergischen Städtedreieck – Hammerwerke und Schleifkotten an. Und auch das Gelpetal war damals gefüllt mit Einrichtungen dieser ersten industriellen Eisenproduktion.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Die Gelpe

Die Gelpe verändert ihren Lauf alle paar Meter

Schritt für Schritt begegneten uns Hinweise auf alte Hämmer und Kotten. Durch die damals vorhandenen Stauteiche, die man brauchte, um die Wasserräder anzutreiben und die seinerzeit errichteten Wassergräben, ist der heutige Verlauf der Gelpe geradezu deltaartig zerfasert, was den Eindruck ungezähmter, wilder Natur erweckt. Doch ist diese damals vielmehr intensiv vom Menschen gestaltet worden.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Brücke zum Wolfertshammer

Brücke zum ehemaligen Wolfertshammer

Nur wenige Meter voneinander entfernt finden sich Überreste der alten Bauwerke. Überall im Bergischen Land sah es so aus wie hier, überall rauchten in den kleinen Tälern unzählige Schlote und der Lärm der niedersausenden Hämmer erfüllte die Wälder mit Lärm. Doch nirgends kann man dies so sehr erfahren, wie hier im Gelpetal, wo sich die Überreste dieser Industrie aneinanderreihen, wie Perlen auf einer Schnur. Alte Wassergräben, die das Wasser von den Stauteichen zu den Wasserräder führten, sind heute verlandet, aber in der Natur noch zu erkennen.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Standort Westerhammer

Am Standort des Westerhammers

Wir erreichen den ehemaligen Westerhammer. Dieser wurde bereits 1675 erwähnt, ist wahrscheinlich aber älter. 1955 wurde er abgebaut und vollständig im Bergischen Museum in Bergisch Gladbach-Bensberg wieder aufgebaut. Dort kann man ihn noch heute besichtigen und das gewaltige Hammerwerk bestaunen!

Die Gelpe ist gerade einmal 5,8 km lang. Dennoch lagen an diesem kurzen Bachlauf von der Quelle bis zur Mündung in den Morsbach insgesamt 22 Hammerwerke und Kotten. Im benachbarten Saalbachtal, einem kurzen Zufluss, lagen weitere drei Hämmer und Kotten. So sah es seinerzeit überall in den Tälern im Bergischen Land aus, so dass es hier viele tausend solcher Einrichtungen gab. Es ist wahrlich beeindruckend! Nur wenige dieser Anlagen im Bergischen Land sind erhalten geblieben, die meisten verschwunden. Doch einige sind gewachsen und bildeten die Keimzelle für heutige Stahlwerke, wie zum Beispiel in den Tälern von Leppe, Agger und Wiehl.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Der Steffenshammer

Der Steffenshammer

Nach einiger Zeit biegt die Markierung „A2“ links ab und einen schmalen Weg den Hang hinauf. Wir gehen aber noch ein paar Schritte weiter und erreichen die Ortschaft Clemenshammer, die bereits zu Remscheid gehört. Hier gab es einst drei Hammerwerke. Eines davon – der Steffenshammer – ist erhalten geblieben. Das Wasserrad hält noch heute den mächtigen Eichenstamm in Bewegung, der im Inneren des Gebäudes den Hammer antreibt. Die Anlage ist zu besichtigen, auch Schmiedevorführungen werden angeboten. Infos unter: www.steffenshammer.de

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Amboss und Klöntür

Amboss und Klöntür

Am Eingang zum Steffenshammer und seinem schönen Nebengebäude aus Fachwerk zieren die Wappen von Remscheid und Cronenberg den Zaun. Beide zeigen den Bergischen Löwen, sowie geschmiedete Klingen, das Wahrzeichen der frühen Industrie hier im Bergischen Städtedreieck. Die Hämmer, Schmieden und Kotten brachten fein geschmiedetes Eisen hervor, Sicheln, Sensen und alles, was seinerzeit gebraucht wurde. Auch einen Amboss und eine Klöntür können wir hier entdecken, beides Sinnbilder für die Bergische Vergangenheit. Man konnte die obere Hälfte der Klöntür öffnen, sich auf den unteren Teil lehnen und mit der Nachbarin klönen. Ein paar Schritte weiter mündet die Gelpe in den Morsbach, der auf seinem Weg weitere Mühlen, Hämmer und Kotten angetrieben hatte. Wir wandern aber wieder zurück und folgen dann doch der Markierung A2 den Hang hinauf.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Blick nach Remscheid

Blick nach Remscheid

Wenn wir zurückblicken, sehen wir die Hochhäuser der Siedlung am Mastweg in Cronenfeld. Schöner ist aber der Blick hinüber auf den Stadtkegel von Remscheid. Zwischen uns und der Stadt liegt das Morsbachtal. Nur drei Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt, befinden wir uns in wunderbarer, ruhiger Natur. Remscheid liegt heute auf Platz 74 der insgesamt 79 offiziellen Großstädte Deutschlands und bildet mit Solingen und Wuppertal das Bergische Städtedreieck.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Bergische Architektur in Westen

Bergische Architektur in Westen

Wir erreichen die kleine Ortschaft Westen und begegnen der für das Bergische Land typischen Architektur: Schieferverkleidung, weiße Fensterrahmen und grüne Fensterläden. Grün, weiß, in Kombination mit schwarzem Fachwerk – dies nennt man auch den „Bergischen Dreiklang“.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Im Osten von Westen

Im Osten von Westen

Hinter Westen, quasi im Osten von Westen, entdecken wir eine einen Kilometer lange Hecke, die schon auf alten Luftbildern von 1956 zu erkennen war. Damals als Grenzbepflanzung errichtet, bildet sie heute einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tiere. Wir wandern hier einige Zeit an einer nur wenig befahrenen Straße entlang, biegen dann aber dem „A2“ folgend in einen kleinen Weg durch Streuobstwiesen ab.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Durch Streuobstwiesen nach Heusiepen

Auf dem Weg durch Streuobstwiesen nach Heusiepen

„Und wenn ich wüßte, daß morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen“, wird hier Martin Luther am Wegesrand zitiert. Der Weg führt uns hinab nach Heusiepen. Hier im Herzen des Bergischen Landes trifft man den Namen „Siepen“ sehr häufig an, während im Rheinisch-Bergischen oder Oberbergischen Gebiet der Begriff „Siefen“ geläufiger ist.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Kleiner Bach

Kleiner Bach, aber doch eine Grenze

Hinter den Häusern von Heusiepen überqueren wir einen kleinen Bach. Dieser kleine Bachlauf bildet die Grenze zwischen zwei Großstädten: Eben noch in Remscheid befinden wir uns nun wieder in Wuppertal.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Werkzeugfabrik in Heidt

Eine kleine Werkzeugfabrik in Heidt

Wir steigen auf Asphalt steil bergauf und erreichen den Wuppertaler Ortsteil Heidt: Auch hier auf den Höhen entstanden früher zahllose metallverarbeitende Betriebe, von denen einige – wie eine kleine Werkzeugfabrik hier in Heidt – bis heute erhalten sind. Heidt gehört bereits zum Wuppertaler Stadtbezirk Ronsdorf.

Nun werden die Straßen breiter, man kommt in Ronsdorfer Wohngebiete, biegt an einer Kreuzung links in die Straße „Rädchen“ ab, erreicht eine weitere Bushaltestelle mit dem Namen „Ronsdorfer Talsperre“ und biegt erneut links in die Talsperrenstraße ab. Hier – immer noch dem „A2“ folgend erreichen wir einen Wanderparkplatz und treffen nach nur wenigen Schritten auf die Ronsdorfer Talsperre.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Ronsdorfer Talsperre

Die Ronsdorfer Talsperre

Die Ronsdorfer Talsperre wurde bereits 1898/1899 als drittälteste Talsperre in ganz Deutschland errichtet. Auch die beiden ersten deutschen Talsperren liegen hier im Bergischen Land, das dadurch eben auch für seine hohe Dichte an Talsperren bekannt ist.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Sperrmauer der Ronsdorfer Talsperre

Blick auf die Sperrmauer

Die Ronsdorfer Talsperre wurde einst zur Trinkwassergewinnung der damals noch selbständigen Stadt Ronsdorf errichtet. Heute erzeugt hier ein kleines Kraftwerk umweltverträglichen Strom. Mit gerade einmal 0,3 Millionen Kubikmeter Wasser gehört die Ronsdorfer Talsperre zu den kleinen Vertretern ihrer Art. In die Große Dhünntalsperre, die größte Talsperre im Bergischen Land, würde sie – nach dem Stauinhalt – 270 mal hinein passen.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Der Saalbach

Der Saalbach

Wir überqueren die Sperrmauer. Die Ronsdorfer Talsperre entwässert in den Saalbach, einen kleinen Zufluss in die Gelpe. Wir wandern nun das Saalbachtal entlang zurück ins Gelpetal. Auch im Saalbachtal lagen die Hämmer und Kotten dicht beieinander. Noch heute lassen sich die Überreste im Gelände erkennen, zum Beispiel Stauteiche und die dazugehörigen Abflüsse. Meist lagen die Hämmer direkt am Staudamm. Doch manchmal musste das Wasser vom Stauteich über einen sogenannten Eishausgraben erst zum Hammerwerk geleitet werden. Hier im Saalbachtal ist ein solcher Eishausgraben noch deutlich zu erkennen. Man kann erahnen, wo das Hammerwerk stand, während der Bachlauf selber am Hammer vorbeifloss, um nach nur wenigen Metern den nächsten Stauteich zu füllen und das nächste Wasserrad anzutreiben.

Vom Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre - Minigolf im Zillertal

Der einstige Minigolfplatz im Zillertal

Schon bald erreichen wir wieder Zillertal im Gelpetal. Einst war dies hier ein lebendiger Treffpunkt mit großer Freizeitqualität. Doch die deutlich in die Jahre gekommene Minigolfanlage zeigt, dass diese Zeiten vorbei sind. Doch für interessierte Besucher lohnt sich eine Wanderung hier in den Tälern des Bergischen Landes noch heute sehr.

Wir sind wieder am Ausgangspunkt angekommen. Der Gasthof Zillertal kommt bald in Sicht und wir hören wieder das Rauschen der Gelpe. Die knapp sieben Kilometer ließen uns das Bergische Land und seine industrielle Geschichte inmitten schöner Natur erahnen und vielleicht den einen oder anderen neuen Eindruck gewinnen.

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Eric Jens Renneberg
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