Blicke von oben herab

Im Bergischen Land geht es ständig auf und ab und naturgemäß hat man von oben den besseren Überblick. Um diesen noch leichter zu ermöglichen, gibt es zahlreiche Aussichtstürme, die zum Besteigen, zum Genießen der weiten Panoramasicht und vielleicht auch zu einer kleinen Wanderung in der Nähe einladen. Hier einmal eine Liste der zehn schönsten Aussichtstürme. Die Reihenfolge entspricht keiner Rangfolge, auch erhebt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zusätzlich gibt es noch zwei weitere Aussichtspunkte ohne Turm.

Nr. 1: Die Hohe Warte (Gemeinde Engelskirchen)

Hoch über dem Aggertal steht ein großer Sendemast, der aus allen Richtungen gut zu erkennen ist. Daneben steht ein kleiner Aussichtsturm, der im Schatten des gewaltigen Sendemasts geradezu unscheinbar wirkt, der jedoch eine der spektakulärsten Panoramarundblicke ermöglicht. Von hier oben überblicken wir das Agger- und das Wiehltal, sehen Engelskirchen, Schnellenbach und Bielstein, blicken bis zum Heckberg und zum „Müllkegel“ von :metabolon. Auch der Haldyturm oberhalb von Ründeroth ist zu erkennen. Doch der Blick reicht weit darüber hinaus und ermöglicht uns eine Übersicht über das gesamte Oberbergische Land. Der Weg hinauf zur Hohen Warte ist steil, aber die Aussicht entschädigt für jeden beschwerlichen Schritt.

…und wie kommt man dorthin?

Wir parken in Ründeroth. Am Ortsausgang in Engelskirchen, am Abzweig zur Aggertalhöhle, begegnen uns die gelben Markierungen des Bergischen Panoramasteigs, die uns bis hinauf zur Hohen Warte führen. Wer es lieber kurz und knackig haben möchte, parkt am Mitfahrerparkplatz an der A4-Ausfahrt Bielstein, schlägt sich über einen Trampelpfad am Ende des Parkplatzes durch die Büsche und folgt nach rechts über eine Brücke, sowie weiter den gelben Markierungen des Panoramasteigs.

Nr. 2: Der Dorner Kopf (Stadt Gummersbach)

Dieser Aussichtsturm hört auch auf den Namen „Aussichtssturm Derschlag“, doch klingt „Dorner Kopf“ doch irgendwie spannender. Zugegeben, das Bauwerk wurde etwas künstlich auf Mittelalter getrimmt, doch macht dieser Stil den Reiz des Turmes aus. Die Aussicht lohnt jedoch auf alle Fälle: Wir blicken auf das Aggertal, Derschlag und Bergneustadt und sehen auch die Steinbrüche auf der gegenüberliegenden Talseite, den Unnenberg und auch die Skisprungschanzen von Meinerzhagen.

…und wie kommt man dorthin?

Vom Wanderparkplatz in Derschlag (am kleinen Busbahnhof) führt die Markierung mit einem umgedrehten „T“ hoch hinauf auf den Dorner Kopf (und als Rundweg auch wieder hinab). Wer es etwas weniger steil haben möchte, sucht sich in Dorn (Gemeinde Reichshof, gelegen an der K 57 von Allenbach aus erreichbar) einen Parkplatz am Straßenrand und folgt der Markierung „Raute 3“.

Nr. 3: Auf dem Lindchen (Gemeinde Nümbrecht)

Lange war er geschlossen, aber nach viel Engagement konnte der hölzerne Riese saniert und wieder eröffnet werden. Der Aussichtsturm „Auf dem Lindchen“ liegt am Ortsrand von Nümbrecht und bietet eine weite Sicht über das Homburger Land. Der Blick reicht von Schloss Homburg bis nach Panarbora. Und das „Turmstübchen“ nebenan lädt zu einer kleinen Stärkung ein.

…und wie kommt man dorthin?

Von Schloss Homburg führt der „Klangpfad“ (einer der Bergischen Streifzüge, markiert mit einer roten „21“) direkt zum Aussichtsturm. Der Rundweg ist 6,1 km lang, es lohnt sich also, nach der Turmbesteigung weiter zu wandern. Man kann aber auch mit dem Auto bis direkt zum Turmstübchen fahren und damit direkt am Turm parken. …wandern macht aber mehr Spaß!

Nr. 4: Der Unnenberg (Gemeinde Marienheide)

Der Unnenberg wird von vielen Personen als höchster Punkt im Bergischen Land angesehen. Dies stimmt nicht ganz (die Homert an der Grenze von Gummersbach zum Sauerland ist noch höher), doch ist der Unnenberg einer der herausragenden Berge in unserer Region und von vielen Orten aus gut zu erkennen, was auch an dem aus den Bäumen herausragenden Aussichtsturm liegt. Von der gewaltigen Metallkonstruktion aus können wir die Staumauer der Aggertalsperre, den Aussichtsturm Knollen oberhalb von Bergneustadt, die Bonte Kerke in Lieberhausen, die Gummershardt, den Dorner Kopf, und ja, auch die Homert erkennen. Der Blick reicht bei gutem Wetter sogar bis zu den Kohlekraftwerken im Braunkohlerevier jenseits des Rheins.

…und wie kommt man dorthin?

Rund um den Unnenberg gibt es eine Reihe von Wanderparkplätzen, z.B. an der Straße vom Dorf Unnenberg (Stadt Gummersbach) nach Dannenberg, von dort führen X3 und X11 zum Aussichtsturm. Doch auch die Zufahrt mit dem Auto bis direkt an den Turm ist möglich.

Nr. 5: Die Meerhardt (Stadt Gummersbach)

Ganz und gar ungewöhnlich kommt uns der Aussichtsturm Meerhardt vor. Er ist einer „romantischen“ Burgruine nachempfunden, doch letztlich wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Es gibt keine große Aussichtsplattform, aber einzelne, schwindelfreie Personen können über eine Treppe bis auf den höchsten Punkt steigen und den Blick über das Aggertal und Dieringhausen bis zur Hohen Warte und zum Müllkegel von :metabolon genießen.

…und wie kommt man dorthin?

Man parkt am besten in Dieringhausen und geht zu Fuß in die unscheinbare „Alte Straße“. Von dort aus folgt man der Markierung V1 über steile Treppen, durch eine alte Eisenbahnersiedlung und schließlich in den Wald hinein.

Nr. 6: Die Jähhardt (Gemeinde Morsbach)

Der Aussichtsturm auf der Jähhardt hört auch auf den Namen „Hohe Hardt“ oder – ganz unspektakulär – auf „Aussichtsturm Morsbach. Die schlanke Metallkonstruktion mit ihrer innenliegenden Wendeltreppe erfordert etwas Zutrauen in den Erbauer, denn der ganze Turm schwankt schon ein wenig im Wind. Dafür wird man aber mit einer großartigen Aussicht über den Südosten des Bergischen Landes belohnt. Man blickt über Morsbach, das Wissertal und die umliegende reizvolle Landschaft.

…und wie kommt man dorthin?

Vom Ortskern in Morsbach aus führt der familientaugliche „Baumweg“ (einer der Bergischen Streifzüge, markiert mit einer roten 24) als 6,5 km langer Rundweg am Aussichtsturm Jähhardt vorbei.

Nr. 7: Panarbora (Marktstadt Waldbröl)

Der prominenteste, wenn auch jüngste Vertreter in dieser Liste, ist der gewaltige Turm von Panarbora. Der erst 2015 eröffnete Naturerlebnispark am Rand von Waldbröl umfasst eine Jugendherberge, vielfältige Freizeitmöglichkeiten und Gastronomie. Höhepunkte sind aber der einzigartige Baumwipfelpfad und eben der Aussichtsturm. Auf die mächtige Holzkonstruktion (und den Baumwipfelpfad) führt eine schneckenförmige Rampe, weshalb alles sogar barrierefrei besucht werden kann. Von hier oben blicken wir weit über den Südosten des Bergischen Landes. Wir sollten die Gelegenheit nutzen, auch den Rest von Panarbora zu besichtigen.

…und wie kommt man dorthin?

Von Waldbröl aus ist Panarbora gut ausgeschildert. Es gibt ausreichend Parkplätze vor Ort. Der Bergische Panoramasteig führt in der Nähe vorbei.

Nr. 8: Der Hindenburgturm (Stadt Wermelskirchen)

Der Hindenburgturm diente ab 1928 als Wasserturm für den Ortsteil Ketzbergerghöhe (bei Dabringhausen). Heute können wir trockenen Fußes die Aussicht genießen. Von außen wirkt er unspektakulär, doch von innen können wir Köln, seinen Dom und den Fernsehturm ebenso erkennen, wie Remscheid und sogar den Ölberg im Siebengebirge. Nur die Große Dhünntalsperre in unmittelbarer Landschaft versteckt sie – wie so häufig. Der Hindenburgturm ist grundsätzlich abgeschlossen – aber an der Tür gibt es eine Liste mehrerer Nachbarn, bei denen man klingeln und den Schlüssel ausleihen kann. Diese machen das stets sehr gerne!

…und wie kommt man dorthin?

Der Hindenburgturm liegt direkt in Ketzbergerhöhe an der K17. Wer wandern möchte, parkt am Wanderparkplatz Lindscheid (an der Großen Dhünntalsperre) und folgt dem 7,4 km langen Rundwanderweg „Siefen, Wälder und Höhen“ (markiert mit D1).

Nr. 9: Der Haldyturm (Gemeinde Engelskirchen)

Laut einer Inschrift haben „dankbare Mitbürger“ im Jahr 1903 ihrem Landrat Haldy diesen Turm gestiftet. Zeiten, in denen Politikern solche Dankbarkeitsbezeugungen zuteilwurden, sind vorbei. Doch wir können heute ebenfalls dankbar sein, denn dieser schöne Aussichtsturm ist etwas ganz Besonders. Wir blicken von hier aus auf das Aggertal und die roten Züge der Oberbergischen Bahn, auf Ründeroth – die „Perle des Aggertals“ – und hinüber bis zur Hohen Warte und zur Wiehltalbrücke. Besonders beeindruckend ist es aber, dem Verlauf der Agger zu folgen: Vielleicht nicht ganz so spektakulär, wie die Saarschleife, aber doch sehr imposant zieht hier der Fluss und, ihm folgend, das ganze Tal eine große, eindrucksvolle Kurve.

…und wie kommt man dorthin?

Vom Wanderparkplatz am „Dörrenbergplatz“ in Ründeroth direkt an der Agger führt uns die Wandermarkierung A6 hinauf bis zum Haldyturm.

Nr. 10: Der Knollen (Stadt Bergneustadt)

Der Aussichtsturm auf dem Knollen ist der Zwillingsbruder vom Turm „Auf dem Lindchen“ in Nümbrecht. Von der mächtigen, dreibeinigen Holzkonstruktion aus blicken wir über die Baumwipfel hinweg auf den Osten des Bergischen Landes. Bergneustadt und Hackenberg liegen uns zu Füßen, auch der Unnenberg ist zu erkennen. Die Aggertalsperre in unmittelbarer Nähe versteckt sich – wie die meisten Talsperren – jedoch hinter den Wäldern. Doch das fällt nicht ins Gewicht, denn es gibt so viel mehr von hier oben zu entdecken.

…und wie kommt man dorthin?

Vom Wanderparkplatz an der Staumauer der Aggertalsperre führt uns der Wanderweg „A3“ bis auf den Knollen. Wir können aber auch in Hackenberg parken und folgen der „Raute mit 2“ und dem „X3“.

Nr. 11: :metabolon (Gemeinde Lindlar)

Zwei weitere Aussichtspunkte ohne Turm sollen hier ebenfalls noch genannt werden. Sehr bekannt ist :metabolon. Die komische Schreibweise ist kein Fehler, sondern entspricht der Schreibweise vieler Projekte, die im Rahmen der Regionale 2010 entstanden sind. Auf der ehemaligen Mülldeponie Leppe wurde der Müllkegel unter einer wasserdichten Schicht verborgen. Ein gewaltiger Aufstieg führt bis ganz nach oben und lässt einen spektakulären Rundblick auf das Bergische Land zu. Weitere Freizeitangebote und ein außerschulischer Lernstandort ermöglichen weitere Aktivitäten auf :metabolon. Viele, teilweise interaktive Lernstationen machen uns Möglichkeiten der Müllvermeidung und die Konsequenzen unserer alltäglichen Handelns bewusst.

…und wie kommt man dorthin?

Von der A4-Ausfahrt Engelskirchen fahren wir über die L 302 in Richtung Marienheide. Nach wenigen Minuten Fahrzeit ist ein Abzweig nach links zum „Entsorgungszentrum Leppe“ ausgeschildert. Es gibt viele Parkplätze vor Ort.

Nr. 12: Der Lüderich (Stadt Overath)

Auch hier gibt es keinen Aussichtsturm, aber eine tolle Aussicht. Der Lüderich liegt oberhalb von Steinenbrück und Untereschbach. Hier oben befand sich bis in die 70er-Jahre ein Erzbergwerk. Auf der aufgeschütteten Halde wurde 1997 das Barbarakreuz errichtet. Von diesem weithin sichtbaren Kreuz eröffnet sich uns ein weiter Blick über das Sülztal, das Dresbachtal und das Holzbachtal. In unmittelbarer Nähe können wir noch die Mariengrotte und den Förderturm des ehemaligen Bergwerks besichtigen.

…und wie kommt man dorthin?

Von der A4-Ausfahrt Untereschbach fahren wir in Richtung Overath und erreichen in Steinenbrück einen Kreisverkehr. Von dort folgen wir der Ausschilderung zum Golfplatz. Parkplätze gibt es am Golfplatz, von wo aus das Barbarakreuz zu Fuß erreichbar ist. Da die Parkplätze im Besitz des Golfclubs sind, sollte man fragen, ob man für eine kurze Wanderung hier parken darf.

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Eric Jens Renneberg

Das Bergische Land ist meine Heimat! Ich liebe die Region, identifiziere mich mit ihr. Es gibt unheimlich viel zu entdecken und zu erwandern. Mühlen und Hämmer, schöne Dörfer und beachtliche Städte mit schönen (nicht nur „bunten“) Kirchen und viele wunderbare Wanderwege, die das alles miteinander verbinden. Besonders zieht es mich zu Aussichtstürmen und Talsperren – von beiden gibt es im Bergischen Land eine Menge. Auf meinen Wanderungen bin ich im gesamten Bergischen Land unterwegs, vor allem im Bereich südlich der Wupper, von Radevormwald bis Windeck, von Leichlingen bis Morsbach, von Niederkassel bis Wipperfürth, von den östlichen Stadtteilen Kölns bis nach Drolshagen, der ersten Stadt hinter der Bergischen Grenze im Sauerland. Ich liebe die Vielfalt, die diese Region bietet und die es nie langweilig werden lässt, hier auf Entdeckungstour zu gehen.
Eric Jens Renneberg
2 Kommentare
  1. Avatar
    K.Evertz sagte:

    Eine Auflistung der genannten Orte/ Türme mit navifähigen Adressen fände ich gut ! Z.B. als PDF. Vielen Dank für den anregenden Bericht !

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