120 Jahre Müngstener Brücke

Seit 1897 überspannt die Müngstener Brücke das Tal der Wupper und verbindet die Städte Remscheid und Solingen miteinander. Die mit 107 Metern höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, hieß in den Anfangsjahren noch „Kaiser-Wilhelm-Brücke“ und wurde erst zum Ende der Monarchie nach der damaligen Siedlung Müngsten umbenannt. Mittlerweile ist die Brücke ein Wahrzeichen des Bergischen Landes geworden. Vielleicht auch bald ein Weltkulturerbe ?

Neuartige Bauweise und ein Mythos

Die Müngstener Brücke wurde komplett ohne die üblichen Gerüste gebaut. Ein Novum zu dieser Zeit. Der leitende Ingenieur Anton von Rieppel (1852 – 1926) setzte für den Brückenbau erstmals den sogenannten Freivorbau ein. Der „freie Vorbau“ stabilisierte beide Bogenhälften und ermöglichte den finalen Brückenschluss mit deutlich weniger Aufwand und Material als bisherige Bauweisen. Die statischen Berechnungen waren allerdings deutlich komplexer. Trotzdem überwiegten die Vorteile bei weitem, sodass sich diese Brückenbauweise bis heute etabliert hat.

Frontalansicht des Brückenbogens der Müngstener Brücke © MAN-Museum und Historisches Archiv

Brückenbogen der Müngstener Brücke © MAN-Museum und Historisches Archiv

Auf den letzten Metern, kurz vor dem entscheidenden Brückenschluss, verloren durch ein Unwetter sechs Arbeiter ihr Leben. Das sich ein verantwortlicher Ingenieur, aus Angst die Brücke würde nicht halten, von der unfertigen Brücke stürzte, ist allerdings eine Legende. Im März 1897 war es trotz widrigster Wetterbedingungen vollbracht. Die beiden Hälften trafen aufeinander und passten. Eine Meisterleistung ! Als Belastungsprobe wurden sechs Güterzüge mit knapp 1000 Tonnen Kies auf die Brücke geschickt. Alle Beteiligten hielten den Atem an. Aber Sie hielt !

Max Wipperling, Elberfeld (Ansichtskarte von 1912) [Public domain], via Wikimedia Commons

Ansichtskarte von 1912 (Max Wipperling) – Damals noch Kaiser-Wilhelm-Brücke

Insgesamt wurden über 5.000 Tonnen Stahl verbaut und 950.000 Nieten eingeschlagen. Angeblich soll sich darunter auch ein goldener Niet befinden. Da er bis heute nicht gefunden wurde, handelt es sich hier höchstwahrscheinlich auch um einen Mythos. Aber solche Geschichten werden natürlich immer wieder gerne aufgegriffen, weil sie weder belegbar noch wiederlegbar sind.

Betrieb und Instandhaltung

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte wurde viel an der Brücke ausgebessert und repariert. Immer wieder musste die Brücke wegen dringend notwendiger Reparaturen und dem fortschreitenden Rost für den Zugverkehr gesperrt werden. 2011 kündigte die Deutsche Bahn eine fünfjährige Kernsanierung der Müngstener Brücke an. Für etwa 30 Millionen Euro soll das Bauwerk für die nächsten 25 – 30 Jahre fit gemacht werden. Während der mehrjährigen Bauarbeiten gab es immer wieder wochen- und monatelange Sperrungen und Verzögerungen, die für viel Unmut in der Bevölkerung sorgten. Nach aktuellem Stand dürften die Arbeiten 2018 komplett abgeschlossen sein. Derzeit wird die gesamte Brücke abschnittsweise gesandstrahlt und mit einem 4-fachen Neuanstrich versehen. Dadurch stehen die Chancen gut, dass die Müngstener Brücke auch noch ihren 150. Geburtstag erleben wird.

Müngstener Brücke im Sonnenlicht

Müngstener Brücke im Sonnenlicht

Brückenpark und Schwebefähre

Im Rahmen der Regionale 2006 entstand unterhalb der Brücke eine Parklandschaft, die die Müngstener Brücke und den Brückenpark für Touristen attraktiver machen soll. Tatsächlich stiegen auch nach der Eröffnung der Parkanlage die jährlichen Besucherzahlen. Ein weiterer beliebter Teil der Parkanlage ist die Schwebefähre. Technisch betrachtet handelt es sich um eine Seil- bzw. Hängebahn, die, ähnlich einer Draisine, mit Muskelkraft betrieben wird. Gegen eine kleine Spende können Passanten mit der Schwebefähre das Wupperufer wechseln und die sonst weitläufigen Wanderwege von/nach Solingen-Unterburg abkürzen.

Brückenpark Müngsten - Schwebefähre

Brückenpark Müngsten – Schwebefähre

Weltkulturerbe

In den letzten Jahren gab es Bemühungen, die Müngstener Brücke als Weltkulturerbe eintragen zu lassen. Bisher allerdings leider erfolglos. Der nächste Versuch wird am 27. Oktober 2017 unternommen. Einen Tag vor den großen Feierlichkeiten zum 120. Geburtstag der Eisenbahnbrücke, soll der Startschuss für eine weitere Bewerbung als Weltkulturerbe fallen. Diesmal allerdings als internationale Gemeinschaft mit den Brücken Ponte Maria Pia und Ponte Dom Luis I. in Portugal, der Ponte San Michele in Italien und dem Garabit-Viadukt in Frankreich. Alle fünf Brücken wurden im 19. Jahrhundert als beeindruckende Großbogenbrücken gebaut.

Welterbe Emblem - Deutsche Version

Welterbe Emblem – Deutsche Version

Brückenfest

Das diesjährige Brückenfest am 28. + 29.10. 2017 fällt ebenfalls entsprechend größer aus als sonst. Ein buntes Rahmenprogramm sorgt für Spaß und Vergnügen für die ganze Familie. Details über das Programm finden Sie in unserem Veranstaltungshinweis:

Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.

Dirk Marx

Dirk Marx ist der Herausgeber von ich-mag-es-bergisch.de und ist Ihr Ansprechpartner für Fragen und Einsendungen.
Dirk Marx
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