Eine Wanderung an der Wuppertalsperre

Wenn man den Namen „Wuppertalsperre“ hört, denkt der dem Bergischen Unkundige zunächst einmal an die Großstadt Wuppertal. Doch die Wuppertalsperre und die Stadt Wuppertal haben nur eine Sache gemeinsam, nämlich dass die Wupper durch sie hindurchfließt. Die Wupper entspringt bei Marienheide, fließt zunächst als Wipper munter Richtung Wipperfürth, ändert ihren Namen in Wupper und mündet bei Hückeswagen in die Wuppertalsperre. Dort, bei Hückeswagen, liegt zunächst die Vorsperre, die sich ebenfalls für wunderschöne Wanderungen anbietet. Doch unsere heutige Wanderung führt am anderen Ende rund um den Hauptabsperrdamm, dort, wo die Talsperre ihre größten Dimensionen aufweist.

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist der Wanderparkplatz Niedernfeld. Wir erreichen ihn über die Bundesstraße 229 von Remscheid-Lennep in Richtung Radevormwald. Diese Bundesstraße führt die anreisenden Wanderer per Brücke direkt über die Wasserfläche der Talsperre und erlaubt uns schon bei der Anfahrt einen Ausblick auf das große Wasser. Direkt hinter der Brücke biegen wir rechts ab und sehen schon bald den Hinweis auf einen Parkplatz auf der linken Seite. Eine Vorrichtung verhindert, dass Fahrzeuge mit über 2 Metern Höhe auf den Parkplatz fahren. Der Parkplatz ist sehr großzügig angelegt, aber bei der Aussicht ist man etwas weniger großzügig: Die Talsperre schimmert nur ein wenig zwischen den Bäumen hindurch. Deshalb wandern wir auch sofort los, denn wir wollen ja das Wasser sehen!

Zu Fuß verlassen wir den Parkplatz über die Zufahrt, durch die wir gekommen sind, und gehen nach links unter der Bundesstraße hindurch. Die Straße führt nach Krebsöge. Der kleine Ort gehört zur Stadt Radevormwald, die seit 2012 offiziell den Zusatz „Stadt auf der Höhe“ trägt. Wir passieren das Ortsschild, folgen dem Straßenverlauf und stehen am Ortsausgang am Fuß des gewaltigen Staudammes der Wuppertalsperre. Als die Talsperre gebaut wurde, war die Zeit der geschwungenen, verzierten und mit Bruchstein verkleideten Sperrmauern längst vorbei und so blicken wir auf einen gewaltigen, mit Gras bewachsenen Damm.

Am Fuß des Staudamms

Die Wuppertalsperre wurde 1987 in Betrieb genommen. Damit ist sie die jüngste Talsperre im Bergischen Land. Wie müssen sich die Menschen in Krebsöge beim Bau gefühlt haben? Nachdem sie vorher im beschaulichen und ruhigen Tal gelebt und dem Rauschen der Wupper gelauscht haben, bekamen sie nun diesen großen Damm direkt vor die Nase gesetzt.

Wir folgen dem Straßenverlauf weiter und denken darüber nach, welche gewaltigen Wassermassen jenseits des harmlos wirkenden, grünen „Hügels“ drücken. Nach der Kurve blicken wir zurück und sehen das große Überlaufbauwerk.

Blick zurück auf das Überlaufbauwerk

Ein Radwegweiser weist uns links in Richtung Remscheid-Lennep und Remscheid-Hasenberg. Wir folgen ihm und betreten einen steil bergan führenden Schotterweg. Während wir uns darüber wundern, dass dies ein Radweg sein soll, sehen wir auch die verschiedenen Markierungen für Fußgänger: die Raute 6 („Wupperweg“), das Symbol für die „Straße der Arbeit“, das „Ra“ für den großen Rundwanderweg um Radevormwald, das grüne Zeichen des „Wasserquintetts“ und die rote 1 des „Tuchmacherwegs“. All diese Markierungen haben eins gemeinsam: Sie führen uns hinauf auf die Dammkrone.

Oben angekommen sehen wir die Bushaltestelle „Wupperdamm“. Nun sollten wir einmal über die Dammkrone hin – und auch wieder zurück – laufen und die großen technischen Bauwerke bewundern, sowie hinab ins Tal der Wupper blicken.

Blick von der Dammkrone ins Tal der Wupper

Wieder zurück an der Bushaltestelle folgen wir dem Straßenverlauf, die Wasserfläche zur linken Seite. Wir passieren das gelbe Ortsschild von Remscheid. Die Straße trifft auf eine Querstraße, der wir dem Radwegweiser nach Lennep und Hasenberg entsprechend nach links folgen.

Blick auf die Wasserfläche

Genau genommen befinden wir uns hier im Tal des Lenneper Bachs, dessen Mündung in die Wupper längst im Wasser der Talsperre aufgegangen ist. Die Wuppertalsperre liegt bei der Wasserfläche (227 ha) auf Platz 2 der zwanzig Talsperren im Bergischen Land, beim Stauinhalt (25,9 Mio. m³) auf Platz 3. Sie dient der Regulierung des Wasserstandes und der Energiegewinnung, ist also keine Trinkwassertalsperre.

Wir erreichen den begrünten Damm der Vorsperre des Lenneper Bachs. Diesen überqueren wir. Der Wasserstand im Vorbecken ist immer gleich, ein Überlauf regelt die Abgabe des Wassers ins Hauptbecken. Dadurch bildet das Vorbecken ein Biotop und Rückzugsgebiet für viele Tiere und Pflanzen. Neben der ökologischen Bedeutung haben die Vorbecken auch die Aufgabe, dass sich hier Sedimente absetzen, damit das Hauptbecken eben nur mit reinem Wasser gefüllt wird. Jenseits des Damms folgen wir dem Fußweg nach rechts. Das Wasser der Vorsperre liegt rechts von uns. Wir sehen künstliche Nistinseln für Wasservögel und mit etwas Glück auch einen Kormoran, der sich in der Sonne trocknet. Bald ist aus der Vorsperre wieder der Lenneper Bach geworden. Der Weg trifft auf eine asphaltierte Straße, der wir nach links folgen.

Die Straße führt bergauf und mit einer Brücke über die Bundesstraße hinweg. Ein wenig weiter zweigt in einer Rechtskurve ein Waldweg nach links ab. Ab hier folgen wir lange Zeit den Markierungen R („Röntgenweg“) und A4. Der Weg führt durch den Wald hindurch und ein Stückchen parallel zur Bundesstraße. Der Lärm der Autos stört uns ein wenig, doch ist dieser Eindruck bald verflogen. In einer „Rechtskurve“ (mit dem Hinweisschild auf den Rettungspunkt 9174-1) folgen wir dem Uferweg und genießen fortan bedingungslose Stille! Die Talsperre liegt zu unserer linken Seite.

Ausblick auf die Wasserfläche

Der sehr schöne, breite Waldweg führt uns immer am Wasser entlang und biegt dann in die Einbuchtung der Feldbachvorsperre ab. Wir erreichen den Damm dieser Vorsperre und überqueren ihn.

Auf dem Damm der Feldbachvorsperre

Jenseits des Damms treffen wir erneut auf eine Fahrstraße und folgen den Radwegweisern nach Hückeswagen und Radevormwald nach links. So erreichen wir eine kleine Ortslage und dort eine breite Landstraße. Jenseits der Landstraße liegt der Ort Kräwinklerbrücke mit einer großen Freizeitanlage, mit Badestelle, Bootsverleih …und einer Straßenbahn! Da die Wuppertalsperre keine Trinkwassertalsperre ist, ist Wassersport hier erlaubt.

Eine Straßenbahn am Ufer

Wir folgen der Landstraße nach links und überqueren eine Brücke, die uns auf die andere Seite der Wuppertalsperre bringt. Der Wanderer fragt sich vielleicht, wie die Brücke heißen mag: Der Ort heißt Kräwinklerbrücke, also müsste das doch die Kräwinklerbrücker Brücke sein…

Die Kräwinklerbrücke? Oder doch die Kräwinklerbrücker Brücke?

Hinter der Brücke folgen wir den Straßenverlauf bis zum grünen Ortsschild von Heidersteg. Dort geht es links über einen Wanderparkplatz in den Wald hinein. Hier begegnen uns die Markierungen „Wasserquintett“, „Straße der Arbeit“, „Wupperweg“ (Raute 6) und „Ra“. Kurz bevor wir die Wasserfläche erreichen, führt der Weg den Markierungen folgend leicht bergan nach rechts.

Gut markiert

All diese Markierungen – sowie ein wenig später zusätzlich der A1 – begleiten uns nun bis zum Ende der Wanderung. Der Weg führt durch einen lichtdurchfluteten, aber auch schattigen Wald. Immer wieder öffnet sich nach links der Blick auf die Talsperre. Wir sehen Wasservögel und Wassersportler, viele Buchten und Nebentäler. Da die Wupper schon vor der Stauung hier stark mäanderte, bieten sich uns alle paar Schritte neue Perspektiven. Man verschätzt sich aber auch bei den Entfernungen, da ein gegenüberliegendes Ufer nah wirkt, man aber viele Kurven gehen muss, um dorthin zu kommen. Auch staunt man immer wieder, wenn man zum gegenüberliegenden Ufer blickt: Man sieht die Brücke bei Kräwinklerbrücke oder die Feldbachvorsperre und wundert sich, dass man dort vor einiger Zeit noch gewesen ist.

Manchmal gibt es verlockende Abzweigungen nach links zum Ufer hin, doch die Markierungen führen uns sicher weiter geradeaus. An einer Stelle müssen wir ein bebautes Grundstück umrunden, doch wenn wir den Markierungen folgen, kann nichts passieren. An der Einfahrt des Grundstücks an einer Schranke warnt uns ein Schild des Wupperverbandes, dass das Betreten der Eisfläche mit Lebensgefahr verbunden sei. Während wir uns hier oben im Wald an einem sonnigen Frühlingstag fragen, welche Eisfläche gemeint sein könnte, erreichen wir in einer Kurve einen kleinen Aussichtspunkt mit blauer Bank. Etwas weiter sehen wir ein zweites Schild des Wupperverbandes, das uns vor einer starken Gefällestrecke warnt! Das „Rodeln“ geschehe auf eigene Gefahr! Noch während wir uns irritiert mit der Frage beschäftigen, wer hier wohl rodeln mag, folgen wir der Gefällestrecke, passieren einen weiteren Aussichtspunkt und genießen immer wieder die schönen Ausblicke.

Ein Aussichtspunkt am Ende der Rodelpiste

Der Weg führt nun sicher weiter, die Wasserfläche immer zu unserer linken Seite. Der Wupperverband hat uns immer wieder seine charakteristischen blauen Bänke aufgestellt. Bald kommt die Brücke der Bundesstraße wieder in Sicht. Nun geht es ganz zum Schluss noch ein kurzes Stückchen steil bergauf und direkt wieder zum Parkplatz Niedernfeld, unserem Ausgangs- und Zielpunkt. Die gesamte Runde ist sicher in drei Stunden gut zu schaffen. Der Verfasser dieser Beschreibung hat sich jedoch Zeit genommen, fotografiert und immer wieder an den Aussichtspunkten den Ausblick genossen. So waren es knapp viereinhalb Stunden. Wie lange man für die Runde braucht, kann so jeder selber bestimmen.

Die Brücke der Bundesstraße kommt wieder in Sicht

Durch die vielen Kurven der mäandernden Talsperre wird der Weg besonders abwechslungsreich. Die beiden Brücken, die die Wasserfläche überspannen, sind mal in Sicht, dann wieder aus dem Blickfeld verschwunden. Neue Buchten tun sich auf und man wundert sich über die ständigen Perspektivwechsel. Dies macht den Weg sehr reizvoll. Und obwohl man eigentlich immer nur am Ufer entlang geht, so ist auch die Wegeführung und -beschaffenheit sehr abwechslungsreich. Langweilig wird es auf dieser Runde nie!

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Eric Jens Renneberg
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