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Erlebnisbericht Wülfing Museum

Wenn man das Wülfing Museum in Radevormwald das erste Mal betritt, spürt man an vielen Ecken noch den Geist der Gründer. Selten bekommt man einen so greifbaren Eindruck von alten Produktionsmethoden, wie in diesem Museum. Als besonderes Highlight kann man die größte Dampfmaschine im Bergischen Land bewundern. Starten wir einen kleinen Rundgang, durch eines der interessantesten Museen im Bergischen Land.

Mehr als eine Fabrik – Eine Textilstadt

Wülfing Museum - Miniaturansicht

Wülfing Museum – Miniaturansicht

Bereits im Jahre 1674 wurden die „Wülfing Tuche“ gegründet, die dann Anfang des 19. Jahrhunderts direkt an die Wupper gezogen ist. Die günstige Flusslage ermöglichte den Bau und Betrieb der damals noch benötigten Wasserräder, zur Energiegewinnung und zum Antrieb der Spinn- und Webmaschinen. Im Zuge der Errichtung des ersten Fabrikgebäudes im Jahre 1836, wurden auch direkt die ersten Wohnhäuser für Arbeiter gebaut. Die Eigentümerfamilie Hardt kümmerte sich also bereits zu dieser Zeit intensiv um das Wohl der Mitarbeiter. Zu Spitzenzeiten arbeiteten im Tal an die 1000 Mitarbeiter. Es gab Kinderbetreuung, Bildung, gute Ernährung und somit Sicherheit und Wohlstand für die Mitarbeiter. Aspekte, die selbst heutzutage noch nicht selbstverständlich sind. In den nächsten 100 Jahren entstand so eine Tuchfabrik, die von der Verarbeitung der Rohwolle zu Garn bis zu dessen Weiterverarbeitung zu Tuch alles selbst produzierte. Erst durch die beginnende Globalisierung in den 1990er Jahren verlor Wülfing den Anschluss zur Konkurrenz und musste 1996 den Betrieb einstellen.

Trends erkennen in der Dessinatur und Qualitätssicherung

 

Wülfing Museum - Zweigle Reutlingen

Wülfing Museum – Zweigle Reutlingen

Wülfing zeichnete sich u.a. durch ein riesiges Archiv an Stoffproben aus. Bis zu 1000 Muster konnte man den Großkunden zur Auswahl vorlegen. So konnte man Trends schneller erkennen und darauf reagieren. Für diesen Zweck, leistete man sich sogar eine hauseigene Musterweberei. Von den ausgewählten Mustern wurden dann meist Herrenanzüge in Großserie hergestellt.
Um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, richtete Wülfing sich schneller als viele andere Betriebe ein Prüflabor ein. Hier wurden vom Rohstoff über Garn bis hin zum fertigen Stoff die Produktionsstufen überwacht. Dadurch konnte man Fehler vermeiden und Kosten sparen.

Das Wülfing Museum als Elektrizitätswerk

Wülfing Museum - Siemens Generator

Wülfing Museum – Siemens Generator

Auch im Bereich Stromerzeugung war Wülfing ein Trendsetter. Eine Tuchfabrik ist immer einer großen Brandgefahr ausgesetzt. Aus diesem Grund stellte man schon früh auf elektrische Beleuchtung um. Der dafür benötigte Strom wurde anfangs von Wasserturbinen und später von Dampfmaschinen und Generatoren erzeugt. Überschüssiger Strom wurde an das Stromnetz abgegeben, das sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in Firmenbesitz befand. Das Herzstück der Stromproduktion war die 1891 erbaute Dampfmaschine. Mit 300 PS war sie die größte Dampfmaschine im Tal und auch im Bergischen Land. Die Maschinisten in der Energiezentrale waren zu dieser Zeit die wichtigsten Mitarbeiter. Ohne Strom stand alles still. Später kam noch ein Generator hinzu, der zwischen 1903 – 1946 ebenfalls Strom für den Eigenbedarf produzierte. Bis heute ist dieser noch voll funktionsfähig und produziert an bestimmten Vorführterminen im Jahr noch Strom. Bis zum Ende der Produktion im Jahre 1996 stelle Wülfing etwa ein Drittel des Strombedarfs selbst her.

Empfehlung

Wülfing Museum

Wülfing Museum

Das Wülfing Museum ist zweifelsohne eines der interessantesten Museen im Bergischen Land. Viele Exponate sind greifbar und nicht hinter Vitrinen versteckt. Man bekommt einen hervorragenden und interessanten Einblick in die Tuchproduktion früherer Zeit. Technisches Highlight ist natürlich die Dampfmaschine mit ihrem wahrlich riesigen Schwungrad. Man begibt sich auf eine Zeitreise und ist sich sicher, das man selbst nach Stunden des Aufenthaltes immer noch nicht alles gesehen hat. Also durchaus auch ein Museum für einen zweiten oder dritten Besuch. Für den kleinen Hunger wird ebenfalls gesorgt. Eine liebevoll geführte Kaffeeküche bietet leckeren Kaffee, Kuchen und andere Kleinigkeiten. So muss ein Museum sein.

Weitere Infos finden Sie in unserem Erlebniseintrag zum Wülfing Museum

Erlebnisbericht Manuelskotten

Wenn sich das große Wasserrad auf der Rückseite des Manuelskotten in Bewegung setzt, dann erweckt der Geist vergangener Zeiten erneut zum Leben und lässt das Gebäude für einen Moment wieder im Glanz alter Tage erstrahlen. Bereits seit 1850 steht ein Kotten im Wuppertaler Kaltenbachtal und teilte sich mit bis zu fünf weiteren Wasserkraftanlagen die Strömung des Flusses.

Wie der Manuelskotten zu seinem Namen kam

1867 erwarb Emanuel Morsbach (1837 – 1903) den Kotten von seinem Schwiegervater. Er verbrachte hier bereits seine Lehrjahre und war anschließend im Kotten als Halblöhner tätig. In dieser Zeit war es üblich, einen Kotten nach seinem Besitzer zu benennen und so erhielt der Kotten vorerst den Namen Morsbachskotten, den er bis zum Ende des Jahrhunderts auch behalten sollte. Erst 1898 wurde der Kotten wegen seiner häufigen Verwechslung mit dem Morsbacher Kotten in Emanuelskotten umbenannt. Und da der Volksmund gerne mal an Buchstaben spart, wurde im laufe der Jahre aus dem Emanuelskotten der heutige Manuelskotten.

Manuelskotten Schild

Manuelskotten Straßenschild

 

Die Geschichte der Energiegewinnung unter einem Dach

Das neue Jahrhundert war eine harte Zeit für den Kotten. Durch einen Brand im Jahr 1901 wurde der Ur-Kotten komplett zerstört, aber aufrund seiner Wichtigkeit für die Region innerhalb kürzester Zeit etwas weiter bachaufwärts neu errichtet. Bereits 1902 nahm der Kotten seinen Betrieb wieder auf und ermöglichte in seinen besten Jahren bis zu 28 Schleifern an seinen Schleifsteinen und Poliermaschinen zu arbeiten.

Zu dieser Zeit bekam der Manuelskotten auch seine erste Dampfmaschine (liegend, mit stehendem Kessel), um fehlende Wasserkraft für Großaufträge oder Widrigkeiten der Natur in Form von Frost oder Niedrigwasser auszugleichen. Auf einer Düsseldorfer Messe entdeckten die Betreiber zudem eine Neuentwicklung – den Fliehkraftregler. Dieser Regler sorgte für einen gleichmäßigeren Lauf des Wasserrades unter Belastung, wodurch sich auch die Schleifsteine gleichmäßiger drehten und ein genaueres arbeiten ermöglichten.

1910 bekam der Kotten einen 110 Volt Stromgenerator, der für die nächsten 40 Jahre für elektrisches Licht sorgte. In den 1930er Jahren verdrängte ein moderner Dieselmotor die aufwändig zu bedienende Dampfmaschine. Er trieb jahrzehntelang die Schleif- und Poliermaschinen des Kottens an, bis in den 1950er Jahren durch die Verlegung von zuerst 220 Volt Drehstrom und später 380 Volt Kraftstrom die Ära des Elektroantriebs eingeläutet wurde. Ein Drehstrommotor löste den Dieselmotor als Hauptantrieb ab und versorgte auch gleich noch die elektrische Beleuchtung des Kottens mit Strom.

Die verschiedenen Antriebsarten mit Wasser, Dampf, Diesel und Strom legen Zeugnis ab vom Stand der jeweiligen Technik und von der Betriebsamkeit seiner Besitzer in den letzten hundert Jahren. An den Öffnungstagen (siehe unten) werden die verschiedenen Antriebsarten den interessierten Besuchern sogar vorgeführt. Angefangen vom Wasserrad über den Dieselmotor, bis hin zu einer kleineren Ausführung einer Dampfmaschine, wie sie früher hier in ähnlicher Form im Einsatz war.

 

Bis heute ein Schleifkotten und neuerdings auch Museum

Bis heute werden im Manuelskotten noch industrielle Messer für große Cutteranlagen geschliffen und poliert, wodurch auch der Beiname „lebendes Museum“ beibehalten wurde. Der im Kotten tätige Schleifer betreibt und wartet die Anlage und steht darüber hinaus auch für angemeldete Führungen zur Verfügung. Man möchte besonders Schulklassen durch unmittelbare Anschauung Einblicke in die Arbeitswelt der bergischen Kleineisenindustrie vermitteln.

Im September 2017 wurde im Obergeschoß das neue Naßschleifermuseum eröffnet. In den Räumlichkeiten können sich Besucher von nun an einen Einblick in die damaligen Produktionsabläufe verschaffen und sich auch zahlreiche Werkzeuge, Arbeitsmittel, Dokumente und Fotos anschauen. Das folgende 360-Grad Panorama gibt einen ersten Eindruck der neuen Räumlichkeiten.

Öffnungszeiten und Anfahrt

Der Manuelskotten ist regulär von April – Oktober am jeweils 2. und 4. Sonntag des Monats geöffnet und freut sich auf zahlreiche interessierte Besucher. Erreichbar ist der Kotten entweder ausgehend von der Kohlfurther Brücke über einen schmalen Straßenzug durch Waldgebiet (Kaltenbacher Hammer – Kaltenbacher Kotten – Friedrichshammer) oder mit den Bergischen Museumsbahnen, die an den selben Terminen eine historische Straßenbahnstrecke befahren und unweit des Kottens eine Haltestelle eingerichtet haben.

Unser Eindruck

Bei jedem unserer Besuche waren die ehrenamtlichen Helfer mit Elan und Herzblut bei der Sache. Sobald Sie anfangen über das Wasserrad oder die Technik der Dampfmaschine und des Dieselmotors zu erzählen, dann glänzen ihre Augen. Spätestens wenn die verschiedenen Antriebsarten vorgeführt werden, gibt es kein Halten mehr. Umso wichtiger ist natürlich der Erhalt dieses wertvollen Industriedenkmals. Zu diesem Zweck engagieren sich bereits seit 1990 die ehrenamtlichen Mitglieder eines Förderverein für den Erhalt des Gebäudes und der Anlagen. Der Verein freut sich jederzeit über neue Mitglieder und helfende Hände.

Der Kotten nimmt keinen Eintritt, aber nach einem Rundgang freuen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter über eine kleine Spende für den Kotten. Sie können auch als Geschenk oder Souvenir ein Zöppkes oder ein Taschenmesser mit dem Logo des Manuelskotten erwerben. Das Geld fließt ebenfalls in den Erhalt des Kotten.

Manuelskotten Klingen

Manuelskotten Klingen