Erlebnisbericht Papiermühle Alte Dombach

Historie und Standort der Papiermühle

Die Geschichte der Alte Dombach Papiermühle ist bereits über 400 Jahre alt. Gegen 1614 wurde die Papiermühle gegründet und bildete mit zwei weiteren Mühlen zu dieser Zeit eines der bedeutendsten Zentren der rheinischen Papierindustrie. Die Lage an der Strunde, einem gleichmäßig Wasser führenden Bach, war zu dieser Zeit eine wichtige Grundlage für den hohen Wasserbedarf der Papierproduktion. Etwa um 1810 herum baute der Unternehmer Gustav Josua Müller direkt neben der Alten Dombach die Neue Dombach Papierfabrik. Ab dieser Zeit diente die Alte Dombach nur noch als Zulieferer von Faserbrei und die Weiterverarbeitung und eigentliche Papierproduktion wurde in die Neue Dombach verlegt. 1876 wurde die Papierfabrik Zanders neuer Eigentümer der gesamten Dombach Anlagen und Gebäude und sollte es auch bis zum Ende bleiben.

Um 1900 herum wurde die Alte Dombach stillgelegt und deren Produktionsräume zu Wohnungen umgebaut. Die Neue Dombach Papierfabrik hielt noch bis 1930 durch, bevor auch dort die Papierproduktion eingestellt wurde. Seitdem werden in dem Gebäudekomplex verschiedene Gewerbebetriebe untergebracht. 1986 schenkte die mittlerweile zur Aktiengesellschaft umfirmierte Zanders Feinpapiere AG dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Papiermühle Alte Dombach, aus der 1999 das heutige Museum wurde. Und hier beginnt unser Museumsbesuch …

Der Museumsbereich Alte Dombach

Papiermühle Alte Dombach - Haupthaus

An der Papiermühle angekommen, war uns nicht ganz klar, wo man am besten parkt oder wo der Haupteingang ist. Aber das mag auch nur an uns gelegen haben. Das Areal ist grob in zwei Bereiche unterteilt: Alte Dombach und Neue Dombach. Um es kurz zu machen: Der Parkplatz der Neuen Dombach ist die bessere Wahl. Dort ist zwar nicht die Museumskasse, aber der Weg dorthin ist nur ein kurzer Fußmarsch und man kommt bereits zum ersten Mal am Maschinenpark vorbei.

Die Museumskasse befindet sich im ehemaligen Trockenhaus der Papierfabrik, etwas rechts vom Hauptgebäude der Ausstellung. Also schnell rein Karten gekauft und dann konnte es auch schon losgehen. Beiläufig nahmen wir noch zur Kenntnis, das dich direkt neben dem Kassenhaus noch ein Café (Es war zum Zeitpunkt unseres Besuches leider geschlossen) und der Toilettenbereich befindet. Wer also nochmal für kleine Papiertiger muss, der kann das hier erledigen. Ein Wickelraum für die ganz Kleinen ist übrigens auch vorhanden. Etwas weiter hinten haben wir auch noch einen Spielplatz und eine Gartenanlage mit Teich entdeckt.

OK, jetzt aber erstmal zum Museum. Immer dem Rauschen nach. Am Hauptgebäude befindet sich nämlich ein riesiges Wasserrad, das unüberhörbar vor sich hin plätschert. Noch ein paar Schritte und da standen wir auch schon in der Tür des Museums. Eine freundliche Mitarbeiterin hat uns dann erstmal etwas erleichtert. Unsere beiden Rucksäcke wären nämlich für die teilweise etwas engen Museumsgänge ein wenig zu groß und so bot man uns an, unser Gepäck in einem Spind zu deponieren. Das ging ganz problemlos. Man kann den Spind entweder mit einer Euromünze oder einem Einkaufschip verschließen.

Notiz an uns selbst : Merke, bei einem Museumsbesuch vielleicht nicht die Rucksäcke für Wandertouren umschnallen. Könnte eng werden …

Auf insgesamt drei Etagen erwarten uns etwa 20 Stationen. Aber keine Angst, es existiert ein Aufzug und auch die Treppen sind gut zu begehen. Man kommt also wirklich fast überall problemlos hin. Mit fast meine ich den Speicher, der ziemlich eng und dunkel ist. Wer dort nicht hinein möchte oder kann, hat aber auch nichts Wesentliches verpasst. Bereits an den ersten Stationen merkt man, dass das Museum und die Ausstellung auf der Höhe der Zeit ist. Hier mal ein kleiner Bildschirm mit einem Video. Dort mal ein Kontakt im Boden, um etwas in Bewegung zu versetzen. Für die Geschichte des Klopapiers macht man es sich zum Beispiel erstmal auf einer Klobrille bequem und schaut von dort andächtig den liebevoll gestalteten Videofilm. Wer von der Fülle der Klorollen noch nicht erschlagen ist, kann sich dann noch über unsere Papiermüllberge informieren und über das schwinden der Wälder. Also durchaus auch ernste Themen, die einem mal vor Augen halten, wie heutzutage Papier durchaus auch verschwendet wird.

Technisches Highlight ist natürlich die Laborpapiermaschine, an der zu festen Zeiten gezeigt wird, in wie vielen Schritten ein für uns eigentlich profanes Blatt Papier entsteht. OK, es ist mehr eine Papierrolle, aber immerhin sieht man wirklich, wie es vom Faserbrei mit etwas Farb- und Klebstoff und durch dutzende Walzen am Ende zu Papier wird. Sehr interessant ! Wer lieber unplugged Papier herstellen möchte, kann sich danach im Papierschöpfen versuchen. Eines kann ich sagen: Es sieht einfacher aus als es ist 😉 Nach einer guten Stunde ist man in der Regel mit allen Stationen durch und hat wirklich viel zum Thema Papier und dessen Entstehung gesehen. Volle Punktzahl !

Papiermühle Alte Dombach - Papierherstellung

Der Museumsbereich Neue Dombach

Wieder an der frischen Luft angekommen, waren wir erstmal hungrig und durstig. Da das bereits erwähnte Café leider geschlossen hatte, gingen wir stattdessen zu einer kleinen kuscheligen Laube und machten dort eine kleine Brotzeit. Übrigens einer der Gründe, warum wir immer mit den großen Rucksäcken unterwegs sind 😉

Gestärkt und bereit für die zweite Museumshalbzeit, machten wir uns auf Weg zur Produktionshalle der Neue Dombach Papierfabrik. Wer es auf dem Hinweg vom Parkplatz nicht schon getan hat, der sollte spätestens jetzt einen Blick auf die Maschinen im Freigelände werfen. Ganz ignorieren sollte man sie nicht, weil sie auch ausgemustert noch eine imposante Erscheinung sind. Hier kann man schon erahnen, wie aufwändig die Produktion von Papier war und ist.

Papiermühle Alte Dombach - Maschinenpark

Aber es kommt noch besser ! Wer auf große Maschinen steht, für den kommt jetzt das Highlight: Die PM 4 ! Ein Monstrum von Papiermaschine. Vierzig Meter lang und fünf Meter hoch mit gefühlten tausend Drehrädern, Laufketten und Walzen. Ein Wahnsinn. Und sowas „nur“ für Papier. Erbaut 1889 und bis 1991 bei Zanders in Bergisch Gladbach im Einsatz, bevor sie zur Neue Dombach transportiert und aufgestellt wurde. Neben der PM 4 befinden sich noch ein paar kleinere Maschinen in der Fabrikhalle, die nicht minder interessant sind. Vor allem die „Bürstenstreichmaschine“ macht mit ihrem aufgefächerten Papier ebenfalls einen sehr imposanten Eindruck. Spätestens jetzt wird einem klar, warum wir uns hier in Deutschlands größtem Papiermuseum befinden. Das ist die Halle für Menschen, die auch Dampfmaschinen mögen. Man könnte auch sagen, das es die „Halle für die Männer“ ist. Irgendwie hat sich meine „Foto-Assistentin“ verdächtig schnell aus dem Staub gemacht, während ich Foto um Foto geschossen habe 😉

Empfehlung

Empfehlung Papiermühle Alte DombachDas LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach ist ein weiteres tolles Museum im Bergischen Land, dessen Besuch sich in jedem Fall lohnt. Preis / Leistung stimmen hier von Anfang bis Ende. Die Ausstellung ist hervorragend und mit Liebe zum Detail zusammengestellt. Zahlreiche Infotafeln und Monitore informieren über alles Wissenswerte und auf Wunsch kann man sich sogar mit einem Audio-Guide ausrüsten. Nicht nur die großen Maschinen sind imposant, sondern auch die vielen historischen Dokumente und Papierarbeiten, die man während des Rundgangs durch die Ausstellung entdecken kann.

Das gesamte Areal ist besonders in den warmen Monaten zu empfehlen, weil man dort auch hervorragend spazieren gehen kann. Für Leute die regelmäßig in Museen / Industriemuseen gehen, bietet sich vielleicht auch eine LVR-Museumskarte bzw. Partnerkarte an. Dadurch bekommt man entweder kostenlosen oder vergünstigten Eintritt in zahlreiche Museen des LVR und LWL.

Weitere Infos finden Sie in unserem Erlebniseintrag zum LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach

Dirk Marx

Dirk Marx ist der Herausgeber von ich-mag-es-bergisch.de und ist Ihr Ansprechpartner für Fragen und Einsendungen.
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